Da war richtig was los in Jerusalem! Die Stadt brummte, möchte man meinen. Es war Schawu’ot, das Wochenfest – ein Erntedankfest im Frühjahr, weil zu dieser Zeit gerade der erste Weizen eingebracht werden konnte. Schawu‘ot. Eines der drei Wallfahrtsfeste. Menschenmassen. Strömten durch die Straßen, fluteten den Tempel. Feierten dankbar die ersten Gaben.
Da war richtig was los in Jerusalem. Nicht nur draußen auf den Straßen. Auch ihnen, in ihrem Herzen herrschte Aufruhr. Irgendwo stand dort ein Haus, in dem sich eine Schar Frauen und Männer versammelt hatte. Und in ihnen gärte es mächtig. Wie sollten sie all die Zeichen deuten, die sich vor ihnen ereignet hatten? Irgendwo in den Straßen der ewigen Stadt lag ganz real jenes Haus. Ein Treffpunkt.
Darin saßen versammelt Jüngerinnen und Jünger, die den Schrecken des Kreuzes gesehen hatten. Einige aus der Ferne, andere mutiger aus der Nähe. Das waren wohl vor allem die Frauen. In Teilen der Gruppe mag es angefangen haben zu bröckeln. Die ersten hatten enttäuscht ihre Sachen gepackt. — Drei Tage später: eine verstörende Botschaft. Der Leichnam Jesu nicht mehr da. Obwohl bewacht, obwohl gesichert durch Soldaten. Zwei von ihnen kamen aufgebracht heim und berichteten von einer Begegnung mit einem Dritten beim Abendessen: So vertraut, so innig, als wäre Jesus da gewesen. Und dann war er da. Sie hatten’s gesehen und gespürt. Hatte Hoffnung gespendet. Sprach von einer neuen Zeit und gab ihnen Vibes – so wie früher. Und dann plötzlich machte er klar: Jetzt gehe ich endgültig. — Fassungslose Gesichter. Und kaum hatten sie verstanden, war er weg. Nicht mehr greifbar. Nicht mehr herholbar. Nur noch eine Erinnerung.
Das war los ihn ihnen! Über Tage. Es gärte. Sie wählten den zwölften Apostel nach, weil Judas sich ja das Leben genommen hatte nach dem Verrat. Sie versuchten zu konsolidieren. Und wäre es nicht verständlich, wenn manche gesagt hätten: Es sei Zeit, dem Hin und Her ein Ende zu setzen? Dieser emotionalen Berg- und Talfahrt?
Ist es nicht irgendwann mal gut, wenn der Glaube Achterbahn mit einem spielt? Wer hält das aus? Auch sie werden das diskutiert haben in Jerusalem. Werden durcheinandergeredet haben, um die Mutlosen aufzuhalten. Tausend Stimmen, eine lauter als die andere, hundert Sprachen. Alles drohte zu zerbrechen. Wo war die Einheit geblieben, wo das, was sie verbunden hatte? Mal ehrlich: muss man nicht irgendwann den Stecker ziehen und sagen: das reicht jetzt für mich mit dem Glauben…? Zu viel Gegenwind. Ich mach Schluss. Zweifel sind zu stark. Ich steh da mit leeren Händen. Ich kehre diesem Haus den Rücken.
[II. ...und dann: Pfingsten!]
Aber dann das...
Als das Pfingstfest kam [also Schawu‘ot – am 50. Tag nach Pessach], waren wieder alle zusammen, die zu Jesus gehörten. Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten.
Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen.
Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder.
Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.
Mit welchen Bildern, welcher Metapher würdest du beschreiben, dass irgendeine unsichtbare Kraft dir Schub verleiht? Rückenwind. Dass irgendetwas Dich in Bewegung bringt. Gedanklich. Emotional. Hoffnungsbezogen.
Mit welchen Bildern, welcher Metapher würdest Du beschreiben, dass eine nach dem anderen davon angesteckt wurde. Von dieser Freude über lichte Zukunft. Über Freiheit und Zuversicht. Über Liebe, die nicht totgeschlagen wurde, sondern immer noch lebt und bewegt…? Weiter in Apostelgschichte 2...
Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden – ganz so, wie der Geist es ihnen eingab. In Jerusalem lebten auch fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten. Als das Rauschen einsetzte, strömten sie zusammen. Sie waren verstört, denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Erstaunt und verwundert sagten sie: »Sind das nicht alles Leute aus Galiläa, die hier reden? Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? Wir kommen aus Persien, Medien und Elam. Wir stammen aus Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, aus Pontus und der Provinz Asia, aus Phrygien und Pamphylien. Aus Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen, ja sogar aus Rom sind Besucher hier. Wir sind Juden von Geburt an, aber auch Fremde, die zum jüdischen Glauben übergetreten sind. Auch Kreter und Araber sind dabei. Wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen erzählen, was Gott Großes getan hat.« Erstaunt und ratlos sagte einer zum anderen: »Was hat das wohl zu bedeuten?« Wieder andere spotteten: »Die haben zu viel süßen Wein getrunken!«
Sollte Lukas in seienr Apostelgeschichte da eine Prise Humor in seinen Bericht in der Apostelgeschichte eingebaut haben? Keine Angst, er holt die Pointe gleich wieder ein. Einen Vers später tritt Petrus auf und besänftigt:
»Ihr Leute von Judäa, Bewohner von Jerusalem! Lasst euch erklären, was hier vorgeht, und hört mir gut zu! Diese Leute hier sind nicht betrunken, wie ihr meint. Es ist ja erst die dritte Stunde des Tages.«
Na Gott sei Dank. Wenigstens keine Trunkenbolde! Dennoch! Merkwürdige Typen: Die Verwunderung war riesig. Dieser chaotische Haufen in irgend-einem Haus in Jerusalem hatte irgendetwas erlebt, das ihn ansteckend machte. Irgendetwas, das aufhorchen ließ. Und sie schafften es, dieses Irgendetwas so mitzuteilen, dass es verständlich wurde, verstehbar war … selbst für die Fremden. Was mag das gewesen sein?