Menschenwürde - Nächstenliebe - Zusammenhalt

Nachricht Niedersachsen, 11. Mai 2026

»Wir stehen dazu«

Es passiert nicht allzu oft, dass Bischöfinnen und Bischöfe gleich mehrerer Kirchen gemeinsam eine Erklärung abgeben. Dort, wo das passiert, lohnt es sich, genau hinzuhören. »Wir stehen dazu«, schreiben die leitenden Geistlichen der Ev.-luth. Landeskirchen in Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg-Lippe sowie die jene der Ev. Kirche in Bremen und der Evangelisch-Reformierten Kirche — und sie meinen nichts anderes als Eckpunkte des christlichen Glaubens: Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt. Denn genau diese Eckpunkte sehen die Geistlichen in Gefahr.

Das Statement könnte klarer nicht sein — es ist den Geistlichen wichtig und unverzichtbar, Klartext zu sprechen. Ihre Kirchen unterstützen die Initiative des Bundespräsidenten »Tag des Grundgesetzes« am 23. Mai 2026 im Rahmen einer Kampagne für Demokratie. Die Lister Kirchengemeinde solidarisiert sich mit dieser Stellungnahme. Lesen Sie hier das Statement:

Statement zur Demokratie der Leitenden Geistlichen Niedersachen und Bremen

Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt.
Wir stehen dazu!

Wir sind überzeugt.

Die freiheitlich-liberale Demokratie hat es unserem Land drei Genera-
tionen ermöglicht, in einer vielfältigen und solidarischen Gesellschaft
im Frieden zu leben. Sie hat sich bewährt und bleibt die überzeugends-
te Form politischen Zusammenlebens. Demokratie sichert Freiheit und
Gleichheit, eröff net Raum für Vielfalt und begrenzt Macht, indem sie
diese nur auf Zeit überträgt. Demokratie beruht auf Rechtstaatlichkeit
und der damit verbundenen Gewaltenteilung. Sie organisiert politische
Entscheidungen durch Mehrheiten, schützt zugleich Minderheiten
und trägt Konfl ikte im Rahmen friedlicher Aushandlungsprozesse aus.
Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft zum Kompromiss. Als Kirchen
in Niedersachsen wollen wir diese demokratische Ordnung stärken. Wir
sind überzeugt, dass Begegnung und Dialog möglich sind.

Wir sorgen uns.

Spannungen gehören zum Wesen einer demokratischen Gesellschaft.
Ein pluralitätsfähiger demokratischer Rechtsstaat muss unterschied-
liche Überzeugungen aushalten und im off enen Diskurs verhandeln.
Doch wenn demokratische Standards und grundlegende Werte ausge-
höhlt werden, geraten die Fundamente unseres Gemeinwesens in Ge-
fahr. Mit Sorge beobachten wir, wie Wut, Ausgrenzung und Verachtung
den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben. Stimmen werden
lauter – teils auch demokratisch legitimiert –, die autoritär auftreten
und demokratische Prinzipien missachten. Sie instrumentalisieren die
Meinungsfreiheit zur Herabwürdigung anderer, beanspruchen für sich,
allein zu wissen, was „das Volk“ wolle, und schließen Menschen be-
wusst aus. Dabei wird ethnische Zugehörigkeit über Staatsbürgerschaft
gestellt. Führende Vertreter der AfD äußern sich verfassungsfeindlich
und rechtsextremistisch. Nach unserer Überzeugung ist die AfD für
Christinnen und Christen daher nicht wählbar.

Wir setzen uns ein.

Als Christinnen und Christen treten wir entschieden für die Werte
ein, von denen Demokratie lebt: Menschenwürde, Nächstenliebe und
Zusammenhalt. Demokratie ist auf die aktive Beteiligung ihrer Bürge-
rinnen und Bürger angewiesen. Sie lebt davon, dass Menschen Verant-
wortung übernehmen, wählen gehen, sich zur Wahl stellen und sich in
Kommunen, Ländern und im Bund engagieren. Wir sind dankbar, dass
so viele Menschen auf diese Weise ihre Gaben und ihre Kraft in das
Miteinander einbringen. Ohne dieses Engagement verliert Demokratie
ihre Lebenskraft. Sie braucht Menschen, die ihr leidenschaftlich und
kritisch zugleich verbunden sind, die sie stärken und weiterentwickeln.
Als Kirchen fördern wir daher Begegnungen über Unterschiede hinweg
und treten für einen respektvollen Umgang ein – auch gegenüber de-
nen, die anders denken, sprechen oder leben.

Das christliche Menschenbild gründet in der Zuwendung zum Mitmen-
schen. Das biblische Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“,
welches Jesus gelehrt und gelebt hat, bringt diese Haltung zum Aus-
druck. Es weist über den persönlichen Bereich hinaus und prägt auch
das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft. Unsere
Perspektive ist eine menschenfreundliche Gemeinschaft, in der alle
nach demokratischen Regeln zum Gelingen des Ganzen beitragen. So
werden Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt erfahrbar.
Wir glauben, dass es sich lohnt, dafür einzutreten. Unsere Hoff nung auf
Jesus Christus gibt uns die Kraft dazu. Dazu stehen wir!

 

Hannover/Bremen, 5. Mai 2026